Das Manuſcript, welches Herr Lacy mit nach Hauſe nahm, enthielt folgende Geſchichte.
I.
Ich ward geboren und erzogen im Hauſe meines Onkels, des Herrn Middleton, eines der älteſten und reichſten Edel⸗ leute der Gräafſchaft D. Er hatte meine Mutter mit zärt⸗ licher Liebe aufgenommen, als ſie aus Indien zurückkehrte, wo ſie ihren Gatten und das älteſte ihrer Kinder verloren hatte; meine Mutter war die jüngſte ſeiner Schweſtern, und die, welche er am meiſten liebte. Nachdem ſie einer Tochter das Leben gegeben, nahm ihre Geſundheit ſchnell ab, und ſie ſtarb, indem ſie das hülfloſe Kind dem Schutze ihres Bruders hinterließ. Herr Middleton hatte ſich feſt vorgenommen, mich wie ſeine eigne Tochter zu erziehen, und, wie es bei den meiſten im Stillen gefaßten Vorſätzen der Fall iſt, hielt er mit einer religiöſen Gewiſſenhaftigkeit ſein Gelübde. Zur Zeit meiner Geburt war mein Onkel ungefähr vierzig Jahre alt. Er war ein Landedelmann im vollſten und im ſchönſten Sinne des Worts.
Für das Wohl ſeiner Pächter beſorgt, auf Verbeſſerung ſeiner Ländereien bedacht, voll Eifer als Gerichtsherr, thä⸗ tig als Gutsbeſitzer, wohlthätig gegen Arme, gaſtfrei gegen Reiche, beſaß er mit vollem Rechte die Liebe ſeiner Nach⸗ barn und die Achtung der ganzen Grafſchaft. Als Jüng⸗ ling lernte er die Tochter eines Geiſtlichen kennen, deren ſeltene Vorzüge und edler Charakter ihm die zärtlichſte Neigung für ſie einflößten. Sie lebte in der Gegend von Elmsley. Ihr Vater widerſetzte ſich ſechs Jahre lang ſeiner Verbindung mit Miß Selby. Als nach Verlauf die⸗ ſer Zeit mein Onkel eine nur mit Widerwillen gegebene Einwilligung erhielt, war es zu ſpät zur Erfüllung ſeiner Wünſche. Das Mädchen, das der Gegenſtand derſelben war, unterlag einer unheilbaren Schwindſucht. Die weni⸗ gen Tage, welche ſie noch zu leben hatte, ſuchte er ihr durch Beweiſe der innigſten Zärtlichkeit zu verſüßen und
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