des Geiſtlichen, ſie davon abzuhalten, warf ſich nieder auf die Knie, einen Strom von Thränen vergießend. Er hob ſie wieder auf, führte ſie nach dem Sopha und ermahnte ſie mit einer Stimme voll Würde, ihren Schmerz zu mä⸗ ßigen und Herr ihrer ſelbſt zu werden. Sie gehorchte und nach einigen Minuten fuhr ſie ruhiger fort:„Ich kann meine Vergeyen nicht bekennen, ohne die ganze Geſchichte meines Lebens zu erzählen; mein Verbrechen und mein Unglück ſind ſo eng mit einander verbunden, daß ſie nicht getrennt werden können; aber ich werde nichts vor Ihnen verheimlichen. Sie ließen einen Engel des Friedens und der Hoffnung vor meinem Geiſte erſcheinen; vielleicht wer⸗ den Sie, wenn Sie die Qualen kennen, die ich erlitten, mich, ſo ſchuldig ich auch ſeyn mag, nicht gänzlich der Verzeihung unwürdig halten.“
— Niemand iſt in den Augen unſeres göttlichen Erlöſers der Verzeihung unwürdig, entgegnete Herr Lacy; keiner wenigſtens von denen, die von Grund des Herzens be⸗ reuen und um ſeine Gnade flehen; aber erinnern Sie ſich, daß wir verzeihen ſollen, wie wir hoffen, daß der Allmäch⸗ tige uns verzeihen wird.
— Seitdem ich Sie geſehen und gehört habe, antwortete Ellen, kann ich beten, wag' ich zu beten und ich will Gott znrufen, daß er mein Her; ändere, daß er mich lehre, zu verzeihen, wie er mir, hoff' ich, verzeihen wird. Da ich mich aber heute zu ſchwach fühle, um viel zu ſprechen und ich mein Herz ohne Rückhalt vor Ihnen ausſchütten will, ſo übergebe ich Ihren Händen meine Lebensgeſchichte, die ich in langen Tagen der Einſamkeit, in langen ſchlaf⸗ loſen Nächten niedergeſchrieben habe. Sie wird alle Ge⸗ heimniſſe meines Herzens enthüllen: ſie enthält die voll⸗ ſtändigſte Beichte, die ich ablegen kann. Nachdem Sie ſie geleſen haben werden, hochwürdiger Herr, werden Sie wieder zu mir kommen. Währenddem wird vielleicht die göttliche Gnade den Sturm beſänftigt haben, der mein Inneres noch durchtobt und ich werde im Stande ſeyn, aus Ihrem Munde die heiligen Worte der Abſolution zu vernehmen..
1 2


