glaubte die Züge eines Engels zu ſehen. Als Ihr Mund die Worte ausſprach, die ich niedergeſchrieben hatte, glaubte ich eine Stimme vom Himmel zu hören; mein Herz ward gerührt; ich weinte, aber nicht, wie ich ſonſt weinte, Thrä⸗ nen, welche glühend heiß in den Augen brennen. Die Thränen, welche Sie mich weinen ließen, ſchienen das Eiſenband zu löſen, das meine Schläfen zuſammendrückte, und den Stein wegzuwälzen, der ſchwer auf meinem Her⸗ zen laſtete. Ich kam nach Hauſe und kniete vor meinem Bette nieder. Mein Gebetbuch war in meiner Hand, ich öffnete es und mein Blick fiel auf die Worte:„Das Gebot des Krankenbeſuches.“ Ich machte das Buch zu und hörte auf zu leſen. Herr Lacy, ich bin krank an Leib und an Seele. Wollen Sie zu mir kommen? Sie werden mich nicht fragen, warum mein Schmerz keinem andern Schmerze gleicht; aber Sie werden für mich und mit mir beten. Vielleicht ſagen Sie mir einige Worte wie die von heute Morgen, keine Worte des Troſtes, Worte der Hoffnung, aber Worte, daß ich wieder weinen kann, wie dieſen Morgen. Ellen.“
Am folgenden Tage gegen Mittag war Herr Lacy am Hauſe der Miſtreß Denley. Er trug ſein Gebetbuch und ſprach im Eintreten langſam die gewöhnlichen Segens⸗ worte:„Friede dieſem Hauſe, und Allen, die es bewohnen!“ Miſtreß Denley begleitete ihn die Stiege hinauf, öffnete das Zimmer, worin Ellen auf dem Sopha ruhte. Ihr Geſicht war bleicher als am Tage zuvor, aber eine plöͤtz⸗ liche Röthe überdeckte es, als Herr Lacy erſchien.
— Seyn Sie mir willkommen, ſagte ſie, ihm ihre ab⸗ gezehrte, durchſichtige Hand entgegenhaltend. Sie ſind ſehr gütig, daß Sie mich beſuchen und auch Ihnen danke ich herzlich dafür(ſie wandte ſich zu Miſtreß Denley und Mary Cvans, welche neben ihr ſtanden), daß Sie mit uns behen wollen,— es ſind, glaub' ich, Antworten zu geben.
Herr Lacy ſah wohl ein, daß ſie ängſtlich wünſchte, daß er ſogleich die heilige Handlung begänne, ohne zuvor eine Unterhaltung mit ihr anzuknüpfen; und da er ſelbſt fühlte,


