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eingegangen, noch immer ſo ſehr, als je, und konnte es nicht uͤber ſich gewinnen, von ihrem Kinde zu ſpre⸗ chen; aber er war den andern Tag unruhig, bis ſie wiederkam und ihre alltäglichen Beſuche wurden für ihn das, was die Muſik iſt für den Blinden, oder die Ruhe für den Müden.
Sie nahm ihre Wohnung in der Frau Redmond Hütte, und zwar in Morizens vormaligem Zimmer. Jeden Tag verließ ſie dieſe kleine heitere Heimathſtätte, die noch immer ſo voll als je von Blumen und Son⸗ nenſchein war, und wo ihr Knabe mit ihr unter dem alten Weißdorn ſpielte, oder auf Mariens Knieen ſaß und auf Ammenmährchen lauſchte; und auf demſelben Pfade, den ſie einſt in Elend und Verzweiflung getre⸗ ten hatte, ging ſie zum Thor des Schloſſes und die lange Taxusallee hinan zu dem wohlbekannten Zimmer, wo ihr Vater immer ſaß, und brachte einige Stunden mit ihm zu. Sie pflegte ihre Arbeit mitzubringen und ſaß ihm gegenüber, während er ſchrieb; manchmal las ſie ihm vor, oder ging mit ihm auf der Terraſſe ſpa⸗ zieren. Er ſchien nie ſo ruhig, als wenn ſie zugegen war.
Dieſe ſeltſame Lebensweiſe war eine Pruͤfung für ein Weib, deſſen Charakter, obwohl gehoben durch die Schule, die er durchlaufen, doch immer noch lebhaft und enthuſiaſtiſch war, und ſich angewöhnt hatte, ſein Feuer in Arbeiten und Beſtrebungen zu verſtrömen, die ihm weniger Beſchwerde als Genuß bereiteten; aber ſie hatte jetzt nur einen Zweck, einen leitenden Grund⸗ ſatz, und die Pflicht war die Leidenſchaft ihrer Seele geworden. Die Geſtalten, die ihr Gedächtniß ſich zu⸗ rückrief, die Bilder der Verſtorbenen und der vergan⸗ genen Zeiten, die ſich in dieſe Scenen eindrängten, kräftigten nur ihre Entſchlüſſe und ſtärkten ihre Geduld. Dieſe Geduld fand ihren Lohn, ob er gleich lange hin⸗ ausgeſchoben zu werden ſchien.
Eines Tages, als ſie ihm die franzöſiſche Zeitung vorlas, die er ſchon vor Jahren gehalten Patie und


