Teil eines Werkes 
6.-8. Bändchen (1853)
Entstehung
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20⁰⁵

Gertrude von ihrem Bruder einen Brief, der alſo lau⸗ tete: Meine geliebte Gertrude!

Endlich ſind wir nach unſeren langen Reiſen nach Schloß Lifford zurückgekehrt, und mit Schmerz muß ich Dir anzeigen, daß es mit unſers Vaters Geſundheit gar nicht befriedigend ſteht. Er iſt ſehr verändert in jeder Beziehung, an Geiſt ſo wie an Körper. Sein Gedächtniß hat ſehr abgenommen, wenigſtens in Be⸗ ziehung auf ſehr viele Gegenſtände, obleich er in einem Punkte lebhafter zu ſein ſcheint, als er war. Ich hatte mir vorgeſtellt, liebe Schweſter, daß er Dich ganz und gar vergeſſen habe; denn bis vor ganz kurzer Zeit that er Deiner nie die geringſte Erwähnung, ſchien ſich nie⸗ mals Deines Daſeins zu erinnern. Aber ſeit wir hie⸗ her an Ort und Stelle zurückgelangt ſind, hat er oft von Dir geſprochen. Er weiß nicht, daß ich ſchreibe, aber ich habe mich mit Herrn Erving berathen, und wir ſind beide der Anſicht, daß, wenn Du nach Eng⸗ land kommen könnteſt, er Dich gerne ſehen, und daß dieß eine vortheilhafte Veränderung in ihm hervorbrin⸗ gen würde.

In der That, geliebte Schweſter, ſein Zuſtand iſt ſehr traurig. Das Außerordentliche dabei iſt, daß er ſich ſelbſt in irgend einem Sinne wegen des Todes un⸗ ſerer armen Mutter anzuklagen ſcheint. Es iſt eine ner⸗ vöſe Einbildung, aber es drückt ſchwer auf ſeinen Geiſt. Er hat ſich jetzt das Zimmer, worin ſie lebte, zu dem ſeinigen gewählt, und kann nur ſelten dazu gebracht werden, es zu verlaſſen; und wenn er dieß thut, ſo überſchreitet er die Gränzen des Parkes nicht. Ich höre von Marie Grey, daß Du nicht die Abſicht habeſt, Nonne zu werden, ob Du gleich das Leben einer barmherzigen Schweſter führeſt. Man kann überall gute Werke thun, und ein ſehr gutes hier, davon bin ich überzeugt. Ich wünſchte nur, ich könnte Dir einen Brief recht voll von Ueberredungskraft ſchreiben, aber