nicht in ihrer Natur, mit den Prüfungen eines von dem ihrigen ſo verſchiedenen Charakters zu ſympathiſiren. Sie bedauerte ihn ſehr— ihn am meiſten von beiden.— Adrian, ſagte ſie bei ſich, würde ſie nie auf dieſe Art lieben, er würde ſie nie anbeten. Aber nur ein freund⸗ licher Blick ſeines Auges, eines jener ſeiner ernſten Worte, die ein Intereſſe an ihrem Schickſal verriethen, war ihr koſtbarer, als die Ehrerbietung und Ergebenheit der ganzen übrigen Welt. Und daß er ſie liebte, daran konnte ſie nicht mehr zweifeln, und daran zweifelten an jenem Abend auch nur wenige Perſonen in Audley⸗Park.
Es wäre vielleicht beſſer für Moriz geweſen, wäre er auch dabei geweſen und hätte das geſehen, was ſeine Augen über die unglückſelige Täuſchung hätte öffnen müſſen, in der er, ſeit er ſich von Gertruden getrennt hatte, auf eine unſinnige Weiſe befangen war; aber er verließ Audley⸗Park ſogleich nachher und nahm eine gefährliche Hoffnung mit ſich, welche— durchkreuzt von manchem Zweifel, erſchüttert durch ſich immer erneuernde Be⸗ ſorgniſſe— in der Einſamkeit genährt und gepflegt wurde. Seine Unterredung mit Marie am Nachmittag jenes Tages war ganz ſcharakteriſtiſch für beide: er war ſehr angegriffen und unwohl vor Aufregung und Un⸗ ruhe; er ſprach von ſeiner Neigung zu ihr, von Allem, was ſie ihm geweſen ſei, wie unglücklich er ſei, von ſeinem Gewiſſen gezwungen zu ſein, ſich in den Entſchluß, den ſie gefaßt habe, zu fügen, bis es Anderen hätte ſcheinen mögen, und er in der That auch ſich ſelbſt überredete, er ſei derjenige von beiden, der bei der Trennung dieſes Tages am meiſten zu leiden habe. In der That mußte er ſich auch bewußt werden, was er alles aufgab um eines leidenſchaftlichen Traumes willen, der aller menſchlichen Wahrſcheinlichkeit nach nie erfüllt werden konnte; und als er auf dem Wege nach London, den brennenden Kopf in die Hand verſenkt, ſeine Ge⸗ fühle mit unwilligem Zorne über ſeine eigene Schwachheit


