S 2
die älteſte aller Brücken iſt, die ſich über die Seine ſpannen. Eine Allee von Taxusbäumen leitete zum Hauſe hinan; auf jeder Seite dieſer an das Grab er⸗ innernden Bäume ſtand eine Reihe ſchöner Buchen, deren lichtes Laub mit der düſtern Farbe der erſteren, mit ihrem feierlichen Immergrün,„dem Schmuck des Winters, der Trauer des Sommers,“ einen lindernden Kontraſt bildeten.
Der nächſte Raum vor dem Hauſe war ein vier⸗ eckiger Hof, durch den Fahrweg in zwei gleiche Theile getheilt, mit zwei Grasſtücken auf ſeinen beiden Seiten, das eine geſchmückt mit einer Sonnenuhr, auf welche niemals die Sonne ſchien, das andere mit dem trockenen Baſſin eines Springbrunnens, in welches vier häßliche Tritonen hineinſtarrten, gleich als hegten ſie die Hoff⸗ nung, Waſſer in ſeinen Winkeln zu entdecken. Auf der andern Seite des Hauſes waren breite Kieswege und ein ausgedehnter Garten, wenn anders ein ſo blumenleerer Raum einen ſolchen Namen verdiente. Ein Bach, der einem Kanal ähnlich ſah, ſchied ihn von der Fläche, die ſich jenſeits ausdehnte. Tief und düſter floß er dahin, ohne den Reiz eines klaren Waſſers, ob⸗ gleich man das üppige Unkraut in ſeinem Bette leicht erkannte. Kein Leben war in ſeinem raſchen Lauf; düſter und ſchweigſam eilte er von dannen, als ver⸗ langte ihn, den offenen Raum, den er zu durchwandern hatte, gegen das dunkle Dickicht zu vertauſchen, das zwiſchen dem Park und dem Fluſſe lag, in welchen er ſich ergoß.
Die wärmſten Bewunderer altväteriſcher Wohnſitze hätten geſtehen müſſen, daß etwas Melancholiſches in dem Anblick von Schloß Lifford lag, mit ſeinen maſſi⸗ ven Mauern, ſeinen wuchtvollen Portalen, ſeinen vor⸗ ſpringenden Fenſtern, ſo ganz ungeſchmückt auch nur vom geringſten Schößling Jasmin, dem leiſeſten Anflug von Epheu, der ſchwächſten Vertraulichkeit einer kecken Ranke oder einer dreiſten Schlingpflanze. Das Innere
V


