Erſtes Kapitel.
Edmund Neville ſtand am Bord des Schiffes, das ihn von England nach Irland hinübertrug, und als es ſich dem Hafen näherte, wo er landen ſollte, ſchaute er nach den phantaſtiſchen Formen der Wolken, die ſich um die ſinkende Sonne ſammelten, und dann auf die leichten Wellen, die ſich leiſe am Ufer brachen, und die Ruhe der Natur bildete einen wunderbaren Kontraſt gegen die Ge⸗ fühle ſeiner eigenen Bruſt. In der Vergangenheit und in der Zukunft gab es nicht einen einzigen Punkt, auf wel⸗ chem ſeine Seele mit irgend einem Gefühle der Ruhe ver⸗ weilen konnte, und mit peinlicher Unbehaglichkeit ſah er ſeiner Ankunft in Clantoy ſo wie den Fragen entgegen, die man in Folge der von ſeiner Schweſter berührten Ge⸗ rüchte au ihn ſtellen konnte. Wenn auf irgend eine uner⸗ klärliche Weiſe die Wahrheit bekannt geworden und zu den Ohren ſeiner Familie gedrungen war, welche Folgen konnte das mit ſich bringen? Ein ſchmerzlicher Zweifel an ſeiner eigenen Nechtſchaffenheit überſchlich ihn. Wenn alles auf dem Spiele ſtande und der Ruin ihm ins Ge⸗ ſicht ſtarrte, was ſollte er thun? welche innere Kraft, wel⸗ chen feſten Grundſatz oder welchen edlen Drang konnte er der Verſuchung, ſeine Ehe zu verleugnen oder ſeine Ehre durch eine Falſchheit zu beflecken, entgegenſetzen? Er er⸗ forſchte ſein eigenes Herz, er unterſuchte ſeinen eigenen
Geiſt, er wog beide auf der Waage und fand beide man⸗ 1
Schloß Grantley. II. 6


