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kommen, wo Du Gott danken wirſt, daß ich Deinen Thränen widerſtehen und Dein Herz zerreißen konnte.“ Sie verließ ihn ſchnell, denn das Getöne von Tritten hatte ſie in dieſem Augenblicke aufgeſchreckt: aber er reiste am folgenden Tage ab, und ihr Ge⸗ wiſſen machte ihr Vorwürfe wegen ihrer Heſtigkeit, ihr Herz ſtrafte ſie für das, was ſie in ihrer gefuhlvollen Zärtlichkeit Unfreundlichkeit nannte. Dieſen langen Abend hindurch konnte ſie nicht einen einzigen Blick der Liebe, nicht ein einziges Zeichen der Verzeihung erlangen. Sie ſehnte ſich, zu ſeinen Füßen zu knieen, und ſie konnte nicht einmal ſeinen Augen begegnen oder ein Wort an ihn richten. Als die Zeit des Auf⸗ bruchs der Geſellſchaft näher kam, da kannte ihr Schmerz keine Grenzen mehr. Als die alte Dogge, welche der Lieblingsgefährte ihrer Spaziergänge und der Gegen⸗ ſtand ihrer Pflege während der erſten Wochen ihrer Ehe geweſen, in'’s Zimmer hereinſtürzte, da war es ihr, als ſei ſie gekommen, um für ſie zu ſprechen in dieſer. erſten Stunde wirklicher Entfremdung, und durch die Verſe, welche ſte an den ſtummen Vermittler richtete, appellirte ſte an das vor Hochmuth und Groll ver⸗ ſchloſſene Herz. Das wohlbekannte Lied, das er in ihren kurzen Tagen des Glückes ſo oft mit ihr gee: ſungen und deſſen Worte eine Antwort auf ihr Flehen bildeten, war ein Pfand der Verſöhnung. Sie kamen wieder zuſammen, und die Thränen, welche von Beiden vergoſſen wu den, und die ſchweigſame Verzeihung, welche Jedes von dem Andern erbat und erhielt, und einige ſchwache Ausdrücke der Hoffnung von ſeiner Seite, und Worte der Geduld und der Zaͤrtlichkeit von der ihrigen, und eine lange Uma mung und ein ſtummes Lebewohl, und dieſe Seite des Lebens war überſchlagen; die ſtürmiſche Zuſammenkunft mit Margaret, welche darauf folgte, eröffnete ſofort eine neue Aera in Gi⸗ nevra's eigenthümlicher Cxiſtenz.
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