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Die Brautleute oder Schuld und Edelmuth : ein Roman / von Regina Frohberg
Entstehung
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Nur am letzten Abend vor ihrer Abreiſe, war ſie nicht Meiſterin ihres Schmerzes, und als Walter ihr eine gute Nacht wünſchte, um ſich auf ſein Zimmer zu begeben, da ſank ſie ſchluch⸗ zend an ſeine Bruſt, und ſagte mit erſtickter Stimme:Deinen Segen, mein Geliebter!

Was faͤllt Dir ein, mein gutes Weib? antwortete der Graf bewegt, und ſchloß ſie mit Zaͤrtlichkeit in ſeine Arme.Woher dieſe Thränen, dieſe Angſt? Bin ich nicht Dein Theodor?

Wehe! rief Amalie beklemmt, und machte ſich los von ihm. Nach einer kleinen Pauſe fuhr ſie fort:Wir ſind alle ſterblich, mein Freund, und ich weiß nicht, welch ſon⸗ derbare Vorempfindung mich ergriff, als Du jetzt von mir wollteſt. Mir war, als ſaͤhe ich Dich nimmer wieder... Aber geh' nur, ſetzte ſie mit einem erkünſtelten Läͤcheln hinzu, es iſt ſchon vorüber, und war blos ein lei⸗ ſer Nervenanfall, noch eine Folge meiner Ent⸗ bindung.