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reiſe in die mittägigen Provinzen. Eine Krankheit befiel ſie, ihr Anſuchen um verlaͤngerten Urlaub wurde durch Schweigen verweigert. Sie zahlte die ihr nun auferlegte hohe Geldbuße ebenfalls nicht, ein ſeltſamer, ja ungerechter Prozeß hatte bis auf Weiteres ihre Entlaſſung, nebenbei aber auch das aufrichtige Bedauern aller Derer zur Folge, die ohne Parteienhaß in dem Wetteifer zweier ſo außerordentlicher und doch ſo verſchiedener Talente als Joſephine Duchesnois und Made⸗ moiſelle Georges Weymer es waren, einen Stolz des Theatre Frangais und einen Ruhm ihres Va⸗ terlandes ſowohl, als der Kunſt im Allgemeinen erblickten.
Es war in den erſten Jahren ihres ruhigeren und geſicherten Künſtlerlebens, als an einem trüben Novemberabend eine Frau in Trauer, die ihren Namen zu nennen ſich beharrlich geweigert, bei Made⸗ moiſelle Duchesnois eintrat.
„Du kennſt mich wohl nicht mehr oder willſt mich nicht kennen,“ nahm die Fremde das Wort und„Margot“ ſchrie Joſephine in demſelben Augen⸗ blicke laut auf.„Was iſt's mit Etienne— o rede, rede um Gottes und der heiligen Jungfrau willen!“
—ö—


