— 292—
wir tranken alle Drei recht tapfer, der Vater mit ſeinen ver⸗ zweifelten Gedanken, ich mit der abgehauenen Hand, und der Förſter.
„Von der langen Reiſe, der warmen Stube und dem Punſch wurde der Vater bald ſchläfrig. Ich hatte für eine große Bettſtelle geſorgt, die in des Förſters Stube aufgeſtellt war. Er küßte mich beim Gutenachtgruß noch auf den Kopf, klopfte auf die Bettdecke und ſagte:„Alſo morgen, mein Zwerg.“ Gleich darauf war er eingeſchlafen. Und wie feſt ſchlief er. Ich fuhr aus des Förſters Bett und wachte die Nacht bei ihm in der Stube, es war eine bangſame Nacht, und ich mußte immer wieder auf ſeinen Athemzug hören. Spät am andern Morgen wachte er auf. Sobald der Alte ſich im Bett rührte, trat der Förſter in die Stube, und ſchon an der Thür ſchlug er die Hände zuſammen und rief einmal über das andere:„Aber Herr Sturm, was haben Sie ge⸗ macht!“„Was habe ich denn gemacht?“ frug mein Goliath noch halb im Schlaf und ſah ſich ganz erſtaunt in der Stube um. Es war ein großes Geſchrei der Vögel, und die ganze Wirthſchaft kam ihm ſo fremd vor, daß er gar nicht wußte, ob er noch auf der Erde war.„Wo bin ich denn?“ rief er, „dieſer Ort ſteht nicht in der Bibel.“ Der Förſter aber rief immer zu:„Nein, ſo etwas iſt noch nicht erhört worden!“ bis der Alte ganz erſchrocken wurde und ängſtlich frug:„Na, was denn?“—„Was haben Sie gemacht, Herr Sturm?“ rief der Förſter,„Sie haben eine Nacht, und einen Tag und wieder eine Nacht geſchlafen.“„Warum nicht gar,“ ſagte mein Alter,„heut iſt der dreizehnte, es iſt Nittwoch.“„Nein,“ ſaggte der Förſter,„heut iſt der vierzehnte, es iſt donnerstag.“


