Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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2.

Es war ein ſonniger Morgen im April. Einer von den ſchönen Tagen, wo eine feuchte Wärme die Knospen der Bäume entfaltet und das Menſchenherz zu ſchnelleren Schlä⸗ gen treibt. Lenore ging mit Hut und Sonnenſchirm aus dem Schloſſe nach dem Hofe und ſchritt in dem Rin⸗ derſtall die Reihe der gehörnten Häupter entlang. Mit großen Augen ſah das Volk der Kühe nach ihr hin, alle er⸗ hoben die breiten Mäuler, zuweilen brüllte eine luſtige Kuh und erbat etwas Gutes aus ihrer Hand.„Iſt Herr Wohl⸗ fart hier?“ frug Lenore den Amtmann, der am Stall vor⸗ über eilte.

„Er iſt im Schloſſe, gnädiges Fräulein.“

„Sein Beſuch iſt doch wohl bei ihm?“ frug ſie weiter.

„Herr von Fink iſt ſchon dieſen Morgen nach Neudorf geritten, der hat keine Ruhe in der Stube, er iſt am lieb⸗ ſten zu Pferde. Der wäre ein Huſarenoffizier geworden!“

Als Lenore ſo erfahren hatte, wohin Herr von Fink ge⸗ ritten war, ging ſie, um dem Gaſt nicht zu begegnen, lang⸗ ſam in anderer Richtung über den Bach und die Aecker dem Walde zu. Sie ſah nach dem blauen Himmel und auf die ſproſſende Erde. In dem klaren Morgenlicht glänzte die Winterſaat und die grünen Spitzen des Graſes ſo fröhlich, daß ihr das Herz lachte. Auf den Weiden am Bach lag