Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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höchſt unbedeutend, als gar nicht der Rede werth, als eine Art geſellſchaftlicher Däumling, winzig, kaum ſichtbar im Graſe. Unwillkürlich fuhr er in die Rocktaſche, ſeine Hand⸗ ſchuhe herauszuholen. Sie waren von gelbem Zwirn, und noch ſeine gute Mutter hatte geſagt, ſie ſähen ganz aus wie ſeidene, und ſeidene Handſchuhe galten in Oſtrau für den höchſten Lurus. Der arme Junge zog mit ihnen die Ueber⸗ zeugung an, daß er durch ſie ſeiner jetzigen Umgebung doch um einige Gran würdiger werde.

Lange ſaß er in tiefer Einſamkeit, endlich kam Bewe⸗ gung in das ſtille Bild. Auf den Balcon des Hauſes trat durch die geöffnete Thür eine zierliche Frauengeſtalt im hellen Sommerkleide mit weiten Spitzenärmeln und einer liebenswürdigen Friſur, wie ſie Anton von alten Rococobil⸗ dern her kannte; er konnte deutlich die feinen Züge ihres Geſichts erkennen und den klaren Blick des Auges, welches auf dem Raſenplatz unter ihren Füßen ruhte. Die Dame

ſtand auf das Geländer geſtützt bewegungslos wie eine Statue, und Anton ſah ehrerbietig zu ihr hinauf. Endlich flog aus der offenen Thür hinter der Dame ein bunter Papagei, ſetzte ſich auf ihre Hand und ließ ſich von ihr liebkoſen. Dies glänzende Thier ſteigerte Antons Bewunderung. Und als dem Papagei ein faſt erwachſenes Mädchen folgte, welches ſchmeichelnd den Hals der ſchönen Frau umſchlang, und als die Dame zärtlich die Wange des Mäͤdchens an die ihre drückte, und als der Papagei auf die Köpfe der beiden Damen flog und laut ſchreiend von einer Schulter zur andern ſprang, da wurde das Gefühl der Verehrung in un⸗ ſerm Anton ſo lebhaft, daß er vor innerer Aufregung er⸗