Teil eines Werkes 
3. Th. (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

337—

gehts drunter und drüber, Hofchargen, Miniſter, von allen Seiten werden Aerzte geholt, meine Leute ſind

ſämmtlich fortgeſchickt, ich muß ſelbſt nach Roſſau einen Conrier zu beſtellen. Ich fürchte, mit dem Herrn ſtehts

ſchlecht, er erkennt Niemanden. Jetzt erwartet der Erb⸗

prinz noch die Ankunft des Leibarztes, ſobald dieſer die Erlaubniß giebt, wird die Geſellſchaft nach der Reſidenz aufbrechen. An allem Schrecken iſt dieſer unglückliche Umban meiner ſtillen Wohnung Schuld. Noch Eines, weil mir's grade einfällt. Ihr Schwiegerſohn ſucht ja alte Papiere und Bücher. Da ſtehen bei uns noch einige Kiſten mit ſolchem Plunder aus uralter Zeit, wo die Oberförſterei noch fürſtliches Pürſchhaus war, über der Thür iſt unter der Tünche ein fremdes Wort zu erkennen: Solitudini, welches„in der Einſamkeit“ bedeuten ſoll. Die Kiſten ſind morſch, beim Bau werden ſie doch von der Stelle geſchafft. Iſt's bei uns ruhiger, dann könnte der Herr Profeſſor vielleicht einen Blick darauf werfen.

„Da iſt auch das Luſtſchloß Solitude mit den ächten Kiſten des Beamten,“ rief der Profeſſor.„Ich thue keinen Schritt mehr nach jenem Hauſe.“

Der Doctor ergriff ſeinen Hut, ſprach leiſe mit

Laura und dem Landwirth.„Ich bitte mich für heut

zu beurlauben,“ ſagte er hinausgehend. 3

Erſt am Abend kehrte er zurück.„In den Kiſten ſind Baurechnungen vom Ende des ſielzehnten Jahr⸗ hunderts über Reparaturen am Kloſtergebäude und

Freytag, Handſchrift. III. 22“