Teil eines Werkes 
1. Th. (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſo wenig fehlte, einen koſtbaren Schatz des Alterthums für uns zu retten. Er hat Völkermord, Brand und Zer⸗ ſtörung von anderthalb Jahrtauſenden überdauert, er liegt noch zu der Zeit, wo das Morgenroth der neuen Bildung bei uns hereinbricht, glücklich verborgen und unbeachtet in einem deutſchen Kloſter, wenige Wegſtun⸗ den von der großen Völkerſtraße, auf welcher die Huma⸗ niſten hin und herwandern, die Bilder römiſcher Herr⸗ lichkeit im Haupte, begierig nach jeder Ueberl ieferung aus der Römerzeit ſuchend. Und kaum eine Tagreiſe entfernt erblühen Univerſitäten, auf denen die Jugend ſich begeiſtert in lateiniſchen Verſen und Proſa übt. Es lag ſo nahe, daß irgend ein Mönch aus Roſſau einem Ordensbruder davon erzählte, der die Kunde nach Mainz oder Köln trug. Es ſcheint unbegreiflich, daß nicht einer von den lateiniſchen Schullehrern, die ſich damals über das ganze Land verbreiteten, Nachricht von dem Buche er⸗ hielt und den Brüdern etwas von dem Werth eines ſolchen Denkmals ſagte. Und wie natürlich war, daß der geiſtliche Herr, welcher die Oberaufſicht über das Kloſter übte, von dem geheimnißvollen Bande erfuhr und neugierig die verblichenen Blätter umſchlug. Selbſt dann wäre doch eine Kunde in die Welt gedrungen, und die Handſchrift uns wahrſ ſcheinlich irgendwo erhalten. Und nichts von alledem. Und im beſten Fall hat ein Zeitgenoſſe von Erasmus und Melanchthon, ein armer hungernder Mönch die Handſchrift an den Buchbinder ver⸗ kauft, und abgeſchnittene Streifen kleben noch irgendwo