Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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dieſe als Heilige beigeſetzt wurde, antwortete der Mei⸗ ſter ernſthaft. Die Männer ſahen einander an.Oft muß der große Kaiſer thun, was er im Geheimen miß⸗ billigt oder verachtet, fuhr Hermann traurig fort,und doch wird ſeine Herrſchaft im Reiche allmählich ſchwach und zu eitlem Scheine. Er iſt ſo ſtolz auf die Majeſtät ſeines kaiſerlichen Amtes und doch wurde ſein Schickſal, daß er ſich ſelbſt die Wurzeln ſeiner Herrenmacht zerſtören muß.

Die Leute hier ſorgen oft, daß die Herrlichkeit des Reiches klein werde, und ſie fürchten Unheil auch für unſere Burgen im Preußenland.

Der beſcheidene Mann meidet vergebliche Sorge. Du weißt, wir Brüder deuten nicht und grübeln nicht, wir ſchaffen ſchweigſam und warten überall unſeres Amtes. Hier im Lande ſäen wir deutſche Saat. Wenn einſt die Zeit der Erndte kommt, dann mögen Andere zuſehen, die nach uns leben. Er wies auf zwei blondhaarige Knaben, welche an die Knie der Mutter geſchmiegt den fremden Herrn anſtarrten.

Auch die deutſche Saat, bei welcher Ivo thätig war, wurde zuweilen durch die Kriegsroſſe der heid⸗ niſchen Preußen niedergetreten. Es war ein harter Kampf und es war ein ſorgenreiches Wachsthum, aber ihm erſchien es als groß und als heilſam für Alle, die er lieb hatte. Wenn er mit ſeinem treuen Geſellen Lutz gegen die Feinde ritt oder wenn er im Rathe der An⸗ ſiedler tagte, ſo oft er den alten Sibold gleich einem Ahnherrn zwiſchen der Kinderſchaar ſitzen ſah, welche in