— 403—
gefunden, aber eine aufgeregte Gemeinde. Schon in der Ferne vernahm er zu ungewohnter Stunde unabläſſiges Glockengeläut und bei der Kirche hörte er predigen und erkannte die mißtönende Stimme des Mönches Dorſo. Dieſer ſtand über der Kirchhofmauer, umgeben von ſeinen Handlangern und von fremden Landläufern, welche mit dem rothen Kreuz gezeichnet waren, und las einen Brief vor, in welchem Kaiſer und König geboten, die Ketzer, welche Meiſter Konrad verklagen würde, in weltlichem Gericht abzuurtheilen, damit ſie an Leib und Leben ge⸗ ſtraft würden. Und der Mönch rief:„Hier ſtehe ich in heiligem Amte, um die Böcke von den frommen Schafen zu ſcheiden und die Ruchloſen zum Holzſtoß zu führen. Hohen Preis hat der heilige Vater für die Treuen geſetzt, welche einen Irrgläubigen, den ſie etwa kennen, anzeigen; denn Habe und Gut ſoll dem Un⸗ treuen genommen und den Treuen zugetheilt werden, Haus und Hof des Ketzers wird den eifrigen Kindern Gottes preisgegeben, damit ſie ſich daraus auch irdiſchen Lohn holen für ihre Frömmigkeit.“ Und das Holzkreuz ſchwenkend, ſchrie er:„Darum weiſe ich das Kreuz und lade die frommen Zeugen zum erſten, zweiten und dritten
Male vor mein Angeſicht, ſcheuen ſie ſich laut zu rufen,
ſo mögen ſie mir ihren Argwohn leiſe anvertrauen, denn dazu bin ich hier.“
Da erhob ſich unter den Wirthen, welche umher⸗ ſtanden, ein unwilliges Gemurr, und aus dem Haufen trat ein alter Mann mit weißem Haar und feſten Zü⸗
gen und ſprach mit lauter Stimme:„Wir aber halten eure 26*


