2.
Am Gofe des Landgrafen.
Der junge Landgraf Ludwig war ein Herr nach dem Herzen ſeiner Zeitgenoſſen: ſcharf, hart, gen waltſam und eigennützig, wo es galt, ſeine Herrſchaft zu vergrößern, redlich und gutherzig in ſeinem Hauſe, gegen die Getreuen und gegen das arme Volk. Sein verſtorbener Vater, ein kraftloſer Mann, hatte den fah⸗ renden Sängern für ein Muſterbild ritterlicher Tugenden gegolten; auch der junge Fürſt machte in müßigen Stunden gern den modiſchen Ritterbrauch mit, dem ſich kein großer Herr entziehen durfte, wenn ihm an ſeinem guten Rufe etwas lag; aber im Grunde dachte er lieber an die ausgeſtreckten Hände bezwungener Burgmannen, welche ihm den Treueid leiſteten, als an die behen⸗ den Finger der Sänger, welche das Saitenſpiel rührten. Alles war ihm bisher wohl gelungen und ſeine Gedan⸗ ken flogen hoch. Grade jetzt bereitete er einen Zug nach Welſchland zum Kaiſer Friedrich, ſeine Boten waren ſeit dem Winter hin⸗ und hergeritten und ſeine Hofleute erzählten ſich, daß ein fremder Gaſt, die Gräfin Hed⸗


