Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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Geſträuch und Grasbü chel wuchſen, aber im Ganzen wmar das feſte Gefüge erhalten, noch ſtand der Thurm trotzig und kriegeriſch da, gleich einem Hünen der Vorzeit, und er vermochte wohl bei einer Belagerung als letzte Zu⸗ flucht zu dienen. 4

Von der Höhe des

3 urms überſah man eine frucht⸗ bare Landſchaft, zur inken die Waldhügel von Erfurt, zur Rechten ſüdwärts die rothen Berge mit drei Burgen und mehren Wartthürmen. Einſt war der ganze Thal⸗ grund und alle Berghöhen dahinter Eigenthum deſſelben edlen Ge hlechtes geweſen, welches für eines der älteſten in Thünttgen galt. Aber was ihm von je Ehre gegeben hatte. ſtaß es frei auf eigenem Grunde ſaß, das hatte ihm die Dauer des zuſammenhängenden Beſitzes

dert. Denn nach thüringiſcher Volksſitte war das ſeie Erbe unter die Kinder getheilt worden, vieles Land war durch Heirath und Schenkung, durch Fehde und Krieg in fremde Hände gekommen, und man hatte in dem Herrenhofe zuweilen erfahren, daß gerade freie Erbſchaft

Habe und Gut zerſplittert und die Angehörigen ſcheidet, während Dienſtbarkeit und Lehnbeſitz die Stammgenoſſen zuſammenhält und ein Geſchlecht erhöht.

Auch das Schickſal der großen Landſchaft Thüringen war dem Wachsthum der Familie hinderlich geweſen; die Häupter hatten in alter Zeit treu zu den Sachſen gehalten und zweimal war die Blüthe der männlichen Ju⸗ gend in den Kämpfen der Sachſen mit den Franken auf dem Schlachtfelde dahingeſchwunden. Unterdeß kam durch die Gunſt der Frankenkönige ein anderes Herren⸗

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