Teil eines Werkes 
3. Bd. (1875)
Entstehung
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Waltens that ihm wohl; ſie hatte aus langer Uebung für die feineren Bedürfniſſe eines ſolchen Kranken eine ganz andere Empfindung als eine ihren Dienſt hand⸗ werksmäßig betreibende Wärterin. Was Timotheus' Zuſtand betraf, ſo fand ſie ihn fieberfreier, als ſie es gedacht. Sie war denn auch willig, ſeine Beichte zu hören, als er ſich nach einigen einleitenden Worten dazu anſchickte.

„Es iſt mein Verderben geweſen“, ſagte Ti⸗

motheus leiſe,„daß ich Sie zu ſpät kennen gelernt habe.

Wie Sie jetzt den Dämon des Fiebers von mir ſcheu⸗ chen, ſo würden Sie auch den Verſucher von mir ferngehalten haben.“

„Ohne Verſuchung, was wäre die Tugend? Ge⸗ rade aus der Tiefe einer Verirrung ſchwingt ſich der Geiſt am mächtigſten empor; er gleicht der Lerche, die aus der dunklen Erdfurche ſich mit ſtarkem Flügelſchlag in den Morgenhimmel erhebt.“

„Weil Sie der Gnade ſo ſicher ſind—“

„Mein lieber Freund“, unterbrach ſie ihn,„ſoll ich Ihnen ehrlich meine Meinung ſagen? Sie kämpfen mit Schattenbildern, Sie werfen ſich Sünden vor, wie Andere ſich mit eingebildeten Krankheiten quälen. Ein ſchweres, ſchmerzliches Ereigniß bedrückt Ihr Gemüth“ — er nickte ihr mit dem Kopfe Beiſtimmung zu.„Er⸗