Teil eines Werkes 
3. Bd. (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

den kleinen Schmerz, den ihre Gelaſſenheit ſeiner Eigen⸗ liebe verurſachte.

Auf der Straße war ein lebhaftes Treiben hinauf und hinab. Die friſche reine Winterluft röthete die Geſichter und beflügelte die Schritte der Menſchen. Ein leichter Reif lag wie ein dünner, hier und dort zerriſſener Silberſchleier auf den Aeſten der alten Bäume, die in vier Reihen gepflanzt ſtattlich die Mitte der Straße einfaſſen. In den Läden, den hohen Schaufenſtern wurden die Gasflammen angezündet, ob⸗ gleich der weſtliche Rand des Himmels noch von der letzten matten Röthe des Sonnenuntergangs überhaucht war. Unwillkürlich gedachte Schmettow des Ganges, den er Hand in Hand mit ihr nach dem Fichtengehölz jenſeits des Baches von Virginia⸗City auch an einem Abend gemacht, an einem milden Sommerabend... unter den Strahlen des Mondes... wie er ihr da ſein Herz ausgeſchüttet, gewaltſam ihre Liebe gefordert hatte, wie ſie ihn von ſich geſtoßen und entflohen war, einem zürnenden Engel gleich, deſſen weißes Gewand

noch eine Weile vor den geblendeten Augen des Sünders

flattert, während er ſelbſt längſt in den Wolken ent⸗ ſchwunden iſt... Der Engel war nicht wiederge⸗ kommen; mit einer ſchlanken Dame in Grau ſpazierte er die Berliner Linden entlang. Er rieb ſich mit der

j q; õÿõ½,