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dann doch nicht geradezu behaupten, daß Bruno Greif den Grafen Reinsberg aus arger Verlegenheit gerettet und als Lohn dafür die Hand der Gräfin Irene er⸗ halten habe.
Dieſe Rückſicht gegen den Anſtand und die Sitte beſtimmte beide auch zu der Geheimhaltung der Ver⸗ lobung. Es war Zeit genug, ſie zu verkünden, wenn die Verhältniſſe des Grafen keinen Gegenſtand der Unterhaltung im Börſenſaal mehr bildeten, ſondern zu ihrer früheren Feſtigkeit und Sicherheit zurückgekehrt ſchienen. Irenens Stolz hätte zu heftig darunter ge⸗ litten, daß böſe Zungen ſie in unmittelbare Beziehuug zu einem Geldgeſchäft gebracht; Bruno wollte die kurze Friſt der ihm noch beſchiedenen halben Freiheit dazu benutzen, unter irgend einem Vorwand Clara zur Abreiſe zu bewegen, ihr in der Ferne eine ruhige und ehrenvolle Stellung zu bereiten und ſchmerzbewegt einen ſchmerzvollen Abſchied von ihr zu nehmen.
Wider Willen mußte er, von den dunklen Mäch⸗
ten des Lebens gezwungen, die Geliebte laſſen, die
widerwillig von ihm ging. Ob er den Muth haben würde, ihr Alles zu geſtehen, wie er ihr das Traurige und doch Nothwendige mittheilen würde, noch hatte er keinen Entſchluß gefaßt, aber er wollte vor allem nicht,
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