Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
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Hier tauchte plötzlich eine Frage auf, die er ſelbſt, er allein entſcheiden mußte, hier ſtand er vor einem

Scheideweg, an dem der Wegweiſer fehlte. Nicht einmal auf das Beiſpiel ſeines Vaters konnte

er ſich berufen. Nie, davon war er überzeugt, würde der alte„eiſerne“ Mann in die Verheirathung ſeines einzigen Sohnes mit der Tochter ſeines ehemaligen Dieners eingewilligt haben. Auf der andern Seite kannte Bruno nur zu gut die tiefgewurzelte Abneigung ſeines Vaters gegen den Adel und ſein verdammendes Urtheil gegen alle ungleichen Ehen. Und daß ſein Sohn nun gar, um einen„Börſenſpeculanten“ zu ret⸗ ten, die Hand einer Gräfin annehmen ſollte, das würde den dünnen Lippen Martin Greif's nichts als ein hartes„Nein!“ entlockt haben.

Vielleicht, vielleicht auch nicht! Die Umſtände waren eben anders als in jenen Zeiten übermüthigſter Junker⸗ und Beamtenherrſchaft in Preußen, aus denen der Vater hervorgegangen war. Langſam hatten ſeit⸗ dem die Stände ſich zu verſchmelzen angefangen. So manchen Gegenſatz hatte der Krieg weggewiſcht, politiſche Feinde waren ſich in der patriotiſchen Hingabe an den Staat begegnet. Der Graf Reinsberg hatte keinen Zug von einem hochmüthigen Ariſtokraten und Irene... Wenn er ſie nur dem Vater hätte zeigen können! Aber das Grab trennt dieſen auf immer von den Lebendigen.