Teil eines Werkes 
2. Bd. (1873)
Entstehung
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Taſten noch nach. Magdalenens Hände ſind in den Schooß geſunken. Starr und ſtill, in ihren Anblick verſunken, ſteht Egbert. Mit den Gebilden aus der Jugendzeit vermiſchen ſich die phantaſtiſchen Geſichte, welche die Hoffnung voreilig von der Zukunft entwirft. Sie fühlt, wie ihre Haare ſich unter ſeinem Athem ein wenig bewegen. Sie ſpringt vom Stuhle auf.

Ach, Egbert! Herzliebſter Egbert!

Mit beiden Armen hat ſie ihn umfangen, ein heißer Kuß brennt auf ſeinen Lippen. Im nächſten Augenblick iſt ſie aus dem Gemach geeilt. Er hat nicht Zeit gehabt, Magdalene zu rufen, ſie feſtzuhalten. Es dunkelt bereits. Hier ſaß ſie, hier ruhte ihre Hand. Nun iſt ſie dahin und nichts iſt von der lieblichen Er⸗ ſcheinung geblieben als ein ſchwacher feiner Wohlge⸗ ruch, der ihren Haaren entſtrömte.

So iſt das Glück; es nähert ſich dir, es berührt

deine Stirn, du aber biſt ſo betroffen von ſeiner

Gegenwart, ſo befangen und machtlos, es zu ergreifen,

daß du die GCöttin erſt erkennſt, wenn ſie entſchwun⸗ den iſt.

Ende des zweiten Bandes.

Druck von Richard Schmidt in Reudnitz⸗Leipzig. Frenzel, Lucifer. II. 15