Teil eines Werkes 
2. Bd. (1873)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

.* 8 2 .

12

vollaustönenden Dreiklang fröhlicher, muthiger Lebens⸗ auffaſſung, die, unbekümmert um das Zukünftige, heute zugreift und genießt. An den erhabenen Schwung Angelica's und Egbert's, die am liebſten zwiſchen Him⸗ mel und Erde ſchwebten, heftete ſich damit ein Blei⸗ gewicht, das ſie oft zu ihrem Beſten an das Geſetz der Schwere erinnerte.

Die trübe und harte Zeit im Jahre 1805, die Beſetzung der Stadt durch die Franzoſen, die ſtolze Ungebühr des frechen Siegers brachten die Bewohner des grauen Hauſes noch näher und inniger zuſammen. Gemeinſam galt es Uebel abzuwenden, Fährlichkeiten zu beſtehen. Sie hatten einen franzöſiſchen Oberſten mit ſeinen beiden Adjutanten im Quartier, verwöhnte, hoch⸗ fahrende Männer, welche alles Köſtliche der Welt für die Beute ihres Schwertes erachteten. Niemals würde Ange⸗ liea in ihrer Weichmüthigkeit mit ihnen zurecht gekom⸗ men ſein. Denn nicht die ehemaligen ritterlichen Fran⸗ zoſen, Edelleute aus den vornehmſten Geſchlechtern, ſo unüberwindlich im Kampf, wie höflich und unterwürfig den Frauen gegenüber, welche der Blütenduft feinſter Sitte umſchwebte: rohe Kriegsmänner, in der Revolu⸗ tion aus den dunkelſten Tiefen emporgeworfen, die Hände mit Blut und Raub beſudelt, traten ihr ent⸗ gegen. Mit dem Oberſten ſelbſt ſtellte ſich allmälig