Teil eines Werkes 
1. Bd. (1873)
Entstehung
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Der Schloßherr erwiderte Nichts, obwohl Frage und Klage ſich halbwegs auch an ihn richteten, und blickte unverwandt durch das weit geöffnete Thor auf die von Kaſtanienbäumen eingefaßte Straße, die in ſanfter Steigung den Hügel hinaufgeführt war.

Noch regungsloſer und theilnahmsloſer, als er, ſaß auf der Steinbank in einer Wandniſche dicht am Haupt⸗ eingange in das Schloß ein Capuziner, die Hände ge⸗ faltet, ſeinen Bettelſack neben ſich. Meiſt hielt er ſeinen Kopf auf die Bruſt herabgeſenkt, ſo daß im eigenthüm⸗ lichen Widerſpiel nur ſein kahler, glänzender Scheitel und ſein langer rother Bart ſichtbar wurden. War er im Gebet und in andächtiger Betrachtung begriffen, oder im Halbſchlummer eingenickt? In keinem Falle ſtörte ihn das Geräuſch der Menſchen und Thiere um⸗ her, ſo laut es war. Ein⸗ und ein anderes Mal erhob er das Geſicht, ein echtes ſcharfgeſchnittenes Fuchsgeſicht, das ſich trotz vieljähriger Uebung nicht recht in den Schleier von Demuth und Stumpfſinn, wie ſie ſich für einen Capuziner ſchicken, einhüllen konnte.

Gerade als er jetzt wieder aufſah, mit ſchläfrigen Augen unter den buſchigen Wimpern hervorlugend, wendete der Mann im grünen Jagdrocke ſich halb zur Seeite nach dem Schloſſe hin, und ſein Blick begegnete dem des Mönches. Der Capuziner griff nach ſeinem