Teil eines Werkes 
2. Bd. (1856)
Entstehung
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er Bekehrungsverſuchen war, wußte der Geiſtliche ſchon von früher; dennoch mußte er auf Befehl der Obrigkeit dem ſchon unter dem Galgen ſtehenden armen Sünder noch einmal zureden, Chriſt zu werden. Grimmig wandte ſich dieſer ab, und als er den Strick um ſeinen Hals fühlte und ſich vor einer Verſchärfung der Strafe ſicher glaubte, rief er in die Menge hinaus: Ich lebe ein Jude und ſterbe ein Jude, Verflucht ſeien Alle die, in deren Herzen eine Ader iſt, die an Jeſum gläubet! Das waren ſeine letzten Worte.

Ein ſolcher Frevel konnte nicht ungeahndet bleiben. Am naächſten Tage wurde der Leichnam vom Galgen genommen, nach der Stadt vor das

vo chnothpeinliche Halsgericht geſchleift und über den

Todter noch nachträglich das Urtheil verleſen, daß 1 iggen ſeiner gottesläſterlichen Reden die Zunge au⸗ dem Halſe geriſſen und verbrannt, der Körper aber mit den Füßen und nebſt einem Hunde an den Galgen aufgehängt werden ſolle! Dieſes Urtyeit ſogleich vollſtreck.