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173 der nächſten Straße ſogleich wußten, der Werkführer
der Wittwe Bieberich habe Prag verlaſſen, um in
ſeiner Vaterſtadt das eigene Gewerbe zu treiben und ſeine Verlobte zu ehelichen; daß er ſich immer mehr übernommen, der Meiſterin nicht mehr die gehörige Achtung erwieſen und ihr viele Veran⸗ laſſung zur Unzufriedenheit gegeben habe.
Ein paar Wochen darauf zeigte Frau Bieberich den redſeligſten ihrer Nachbarinnen einen von ihr ſelbſt geſchriebenen Brief, worin ſie von ihrer kränkelnden, verwittweten, in Ungarn anſäſſigen Schweſter aufgefordert wurde, Haus und Gewerbe zu verkaufen, zu ihr nach Peſth zu ziehen und dort ein ſorgenloſes Leben zu führen.
Als jetzt Frau Bieberich Alles verkaufte und
Prag verlaſſen hatte, waren alle ihre Bekannten im
feſten Wahne, ſie reiſe geradezu nach Peſth, zur kränklichen, kinderloſen Schweſter, einer reichen Erbſchaft entgegen. Niemand ahnte, daß die Schlaue mit raſchen Poſtpferden über Saaz der ſächſiſchen Grenze zueile, wo der geliebte Philipp an einem verabredeten Orte ihrer und ihres Geldes harrte.


