Teil eines Werkes 
4. Bd. (1860)
Entstehung
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voller Angſt,ſte hat den Armen ja Alles hingegeben und ſich ſelbſt nichts gegönnt. Ihr wißt es, wie Vielen ſie die Gemein⸗ delaſten abgenommen und zum Aufbau geholfen hat; die Schule hat ſie allein gebaut, ſie hat's gut gemacht, dreifach und zehnfach, und ich, ich will es ihr vergeben, ſetzte er hinzu, ſich den Angſtſchweiß von der Stirn trocknend, der in hellen Tropfen vor ſeiner Stirn ſtand.

Aber ich nicht, ich auch nicht, und ich auch nicht! ſo ſchrieen jetzt viele verworrene Stimmen durcheinander, und Alles was ſie Gutes von Margarethe erfahren, all' ihre aufopfernde Pflege an den Betten der Kranken, all ihre nie raſtende Liebe war vergeſſen vor dem Beweiſe einer einzigen Schuld, und die aufgeregten Bauern erinnerten ſich nur, was ſie einſt verloren hatten durch ſie. Wie ſo oft im Leben, die am meiſten Gu⸗ tes erfahren hatten von Margarethe, waren die Schlimmſten und Gehäſſigſten und ſelbſt die, welche gar nicht vom Brand⸗ unglück betroffen waren, nahmen die Wohlthaten, die auch ſie genoſſen, als ein Recht in Anſpruch und ergoſſen ſich in die bitterſten Schmähungen.

Margarethe ſtand bleich und ſtill, aber furchtlos in ihrer Mitte, was hätte ſie auch fürchten ſollen, der Tod wäre jetzt ja ſüß geweſen. Darum wehrte ſie auch wohl dem Philipp, der in Todesangſt die Herandrängenden abhielt, vielleicht hoffte ſie, ein ſchneller Schlag ſolle ſie zu Boden ſchleudern. Doch ihre Ruhe wirkte wunderbar beſänftigend auf die erregten Gemüther und machte ſie ſcheu, Hand anzulegen, ja nöthigte ihnen ein Gefühl ab, das nahezu mit Ehrfurcht verwandt war.

Endlich nahm ſie ſelbſt das Wort, um dieſe Scene zu Ende zu bringen;ich laufe nicht fort, ſagte ſie,gewiß nicht. Schhickt zum Bürgermeiſter und zum Herrn Pfarrer, ihnen will ich Alles bekennen, wie ſich's gehört, und bis dahin laßt mich in meiner Kammer mit dem Philipp allein, dem ich noch viel zu ſagen habe. Stellt Euch zur Wache draußen vor die Thü⸗ ren, wenn Ihr meint, ich könne fortlaufen; aber thut mir die letzte Liebe an, ehe Ihr zu Euerm Recht gelangt und laßt mich mit Philipp ſprechen.