Teil eines Werkes 
4. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 60—

Hundertfünfundzwanzigſter Brief.

Wotoch, Graf Ordeck, an R.

Aus der Reſidenz, im Juli 18 4. Es it eine tiefe Trauer über mein ſonſt ſo fröh⸗ liches Herz gekommen, mein Freund; ich ſehe, wo⸗ hin ich blicke, Argliſt, Bosheit und Falſchheit, und ohne die Netze, die ſie ausgeſponnen, ohne ſie noch deutlich zu erkennen,— und ſie, die ich ſo unaus⸗ ſprechlich liebe, wandelt ſo unbefangen, wie ein ſelig⸗lächelndes Kind darüber hin, ohne daß ein Verdacht in die reine Seele käme, weil ſie ganz Unſchuld,— ganz Vertrauen iſt!— O, ſie iſt

4

ein Engel„ der von der eignen Vortrefflichkeit ge⸗

blendet, den rechten Maasſtab nicht kennt, nach dem man den Menſchen und ſein liſtiges Handeln und Treiben beurtheilen kann. Soll ich ſie war⸗ nen,— ſoll ich ihr den roſigen Schleier vom Ant⸗ litz ziehen, durch den ſie die Welt und ihre Ge⸗