Freitags.
Ich wollte das Schreiben nicht eher abgehen laſſen, bis ich Nachricht von Norden bekommen würde.— Aber die Poſt iſt gekommen, und hat mir keinen Brief gebracht.— Ich glaubte, er ſei kränker geworden, und ſchickte in meiner Angſt zum Arzt, um von ihm vielleicht etwas Näheres zu er⸗ fahren.— Er hatte aber die beſte Nachricht,— und meine ängſtlichen Vermuthungen bekamen eine andere Richtung.— Gott! hätt' ich ihm vielleicht meine zärtliche Sorgfalt verſchweigen ſollen? Er hielt mich ſtets durch ſeine Strenge zurück, wenn ich mein Gefühl ausſprechen wollte!— Er darf
meine Liebe nicht begünſtigen,— er lehrte mich ſie ſelbſt muthig beſiegen,— und wird mit mir auf’s Neue unzufrieden ſein!— Er wird mich
dafür züchtigen und ſchweigen! O, warum, mein Lehrer, eine ſo harte Strafe für einen ſo natür⸗ lichen Ungehorſam?— Wie lang wird mir nun die Zeit bis zum nächſten Poſttage werden! O, könnte ich die Zwiſchenzeit verträumen, um der peinlichen Unruhe zu entfliehen, die mich martert! Niemals fühlte ich mich von Furcht und Qual ſo geängſtigt als heute! Ich vermag nichts anderes


