Hundertvierundzwanzigſter Brief.
Angela, Comteſſe Domelli, an Richardis.
Ans der Reſidenz, im Juni 18*.
Er iſt krank,— o Gott, vielleicht gefährlich krank! und ich bin gebunden, gefeſſelt,— ich kann nicht zu ihm! Mein Vater hat mir geſchrieben, er verbietet mir auf's ſtrengſte, den Arzt zu be⸗ gleiten,— er nimmt die Sache nur leicht, und verſchweigt mir das Schlimmſte gewiß!— O, wäre nur dieſer Tag und der folgende vorüber, — und ich könnte den Arzt ſprechen!— O, wie war es ſo anders, als ich noch in Breiſach war! — Welch' ſüßer Troſt für mein bekümmertes Herz, als ich für ſeine Pflege ſorgen, ihm ſelbſt ſeine Labung bereiten durfte!— Jetzt,— doch nein, er iſt ja nicht allein! Gottlob, Thereſe iſt bei ihm!— Sie wird ihn pflegen, ſie wird ihn trö⸗ ſten, o, ſie muß ihn ja lieben, weil ſie ihn kennt,


