Hunderteinundzwanzigſter Brief.
Graf Malvi an den Baron 2.
Aus der Reſidenz, im Juni 16*9.
Welch ein ſeltſames aber auch welch' ein anzie⸗ hendes Geſchöpf iſt ein Weib, wenn es in einem Anfall von Schwärmerei, in unſchuldiger Verblen⸗ dung für ein in Staub getretenes Mitglied ſeines Geſchlechts in die Schranken tritt, um uns ihre
. Anſicht, die ſo viel Liebenswürdiges als Albernes
hat, aufzudringen, und uns zu dem Ritter der be⸗ drängten Menſchheit zu machen!— Ich habe Dir bei unſerm Rendevous mein Begegnen mit der Bören, als kaum der Tag graute, mitgetheilt. Sie fürchtete meinen Verrath, das bewies ſie, in⸗ dem ſie ihr Geſicht mit dem Schleier verhüllte, gleich dem Strauß, der den Kopf in's Gebüſch ſteckt, und ſich ſo geſichert glaubt vor dem lauern⸗ den Jäger.— Aber die ſonſt ſo kluge Dame


