Es galt der Menſchheit, dieſes herrliche Gedicht, und war für jeden ſo gut geſchrieben, als für mich.
Als ich mit dem Abſchreiben fertig war, mach⸗ te ich eine Bemerkung, die mich auf eine ſeltſame Art überraſchte. Es lag ſtets in meinem Weſen, mir Alles anzueignen, was Norden dachte oder that. Jetzt hatte ich in dem Gedanken an Ihn, ſeine eigene Handſchrift unwillkührlich zu treu nach⸗ geahmt, daß ich über mich ſelbſt erſchrak.— Wie erſtreckt ſich doch der Austauſch unſeres Weſens ſogar bis auf das Geringſte, wenn wir lieben! Wir büßen eine Eigenthümlichkeit nach der andern ein, um eine andere des geliebten Gegenſtandes in uns aufzunehmen, nnd können kaum noch unter⸗ ſcheiden, was uns oder ihm gehört.
Als ich das Gedicht abgeſchickt hatte, ließ ſich Graf Ordeck bei mir melden. Er kam von Holm⸗ ſee zurück, und brachte mir Grüße von meinem Vater und von Norden,— von dem letzteren noch eine ernſte Warnung wegen der gefährlichen Ge⸗ ſellſchft des Grafen Malvi. O, er hat mich nicht vergeſſen, ob er mir gleich bei ſeinem Hier⸗ ſein kein Zeichen der Freundſchaft gab: er meint es noch gut mit mir, weil er beſorgt iſt um mich, der gute, treffliche Mann! Ich werde ihm ſo⸗ gleich ſchreiben, da die Gelegenheit abgeht, und


