Teil eines Werkes 
1. Bdchn (1831)
Entstehung
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Zum Glück verſöhnte ſie mich wieder am Abend, indem mir ein Billet ihren Entſchluß brach⸗ te, mit uns zu reiſen. Gern vergaß ich nun ihre ſeltſame Zerſtreuung, die mich in der That betrübt hatte. Ich fühle, theuere Richardis, daß ich in der Freundſchaft ſehr verletzbar bin, und das wird mir gewiß noch viele Schmerzen bringen!

Ich bin, das weiß ich, viel zu gering, als daß ich fordern könnte, das tiefe Gefühl, deſſen ich fähig bin, ſollte mir ebenſo von Andern dargebracht werden! Und dennoch iſt etwas in mir, was dies zu fordern ſcheint, und das iſt ein thörichter Stolz

und eine ſehr gefährliche Eitelkeit.

Doch ich ſpreche Ihnen ſo viel von mir, und wollte Ihnen doch von der Burg Kynaſt erzählen. Es liegt ein ganz eigenthümlicher Reiz in der Be⸗ ſchauung ſo ehrwürdiger Reſte! Jene Trümmer, die halb verwittert noch deutlich die Spuren ſtolzer Größe tragen, ſchienen uns von jenen Tagen er⸗ zählen zu wollen, wo ſie in gebieteriſcher Herrlich⸗ keit, der Gewalt der Zeit zu trotzen drohten,

2 und erfüllen uns mit ſtiller Ehrfurcht, indeß ihr von Alter gebeugtes Haupt uns tiefe Rührung ein⸗ flßt. Die Ruinen des Kynaſts krönen den Gipfel eines hohen Granitberges, und ſchauen mit ihren nackten Zinnen ernſt und traurig über den ſchwarzen Fichtenwald hinab, der die Höhen bekleidet.

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