Seit einigen Tagen iſt die Baroneß Benting, die Sie auch kennen, hier eingetroffen, und in ih⸗ rer Begleitung— Fräulein Domikowky. Ich ſehe das Erſtaunen, das bedeutende Lächeln, das Ihr Geſicht überfliegt, indem Ste das leſen! So bin ich denn endlich ſo glücklich, dieſen Zankapfel der verſchiedenſten Meinungen mit Augen zu ſehen und zu beobachten. Die Wahrheit zu geſtehen, habe ich mir ſie ſchöner gedacht. Das feine ſchalkhafte Ge⸗ ſicht, die lebhaften Augen, der niedliche Lockenkopf, den ſie, wenn ſie ſpricht, auf dem ſchlanken Halſe höchſt anmuthig zu wiegen verſteht, die behende, faſt ſchwebende Figur, die bis auf den kleinen Fuß, ganz Einklang, ganz Ebenmaas iſt, dieß alles gibt ihr einen ganz eigenthümlichen Reitz, den man je⸗ doch nicht mit Schönheit verwechſeln darf. Ich war mehrmals in dem Zirkel, den ſie auf die ihr eigene Art mit der lebhafteſten Laune zu unterhal⸗ ten verſteht; doch kann ich nicht begreifen, von wel⸗ cher Art der Zauber iſt, den ſie über ſo viele un⸗ ſers Geſchlechtes übt. Gedankenwürde, jene lieb⸗ liche Zartheit, die der Hauptreitz ächter Weiblichkeit i*ſt, ſuche ich vergebens bei ihr. Hingegen ſtört oft ein zu lebhafter Muthwille den Beifall, den man ihrem Witz zu ertheilen gezwungen iſt, indem er den an ſanftere Schönheit gewöhnten Sinn der⸗ letzend berührt; kurz, ich fühle ſchon jetzt, daß ich
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