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Sechster Brief. Derſelbe an denſelben.
Marie, ſo war der Name jener Sängerin⸗ war die Tochter einer armen, aber unbeſcholtenen Familie. Ihr Talent, ihr untadelhafter Ruf, hat⸗ ten ihr einen ehrenvollen Platz in der Geſellſchaft geſichert. Sie ſang oft bei Hofe, doch hatte ſie des Fürſten Wunſch, ſie bei ſeiner Kapelle zu enga⸗ giren, immer abzulehnen geſucht.— Durch Zufall hatte ſie einigemal Gelegenheit gehabt, dem Gottes⸗ dienſt in unſerer Kirche beizuwohnen. Sie erzählte mir das mit liebenswürdiger Offenheit, und fügte hinzu, wie die Achtung, die ſie ſeitdem in ihrem Herzen für mich gehegt habe, auch wohl allein die Urſache geweſen ſei, warum ſie den Auftrag des Kapellmeiſters, die Hauptparthie dieſes Stückes zu übernehmen, ſo freudig ergriffen habe. So wurde gegenſeitige Dankbarkeit der Grund, aus dem nach und nach die Blüthe ſchöner Zuneigung entſproß. Ich durfte ihr Haus betreten, um ſie bald darauf mit Stolz und Freude in das Meine zu führen. Der Fürſt, der ſich an meiner Wahl mit wahrhaft
väterlicher Innigkeit erfreute, behauptete ſcherzend,
daß er, der Urheber unſeres Glückes, nun auch für Angela I. 2


