— 23—
wogten die wehmüthigen Klänge durch die lautloſe Stille. Melodieen aus meinem Innern geboren, nur verklärt und gehoben durch das Zuſammenſtrö⸗ men aller Stimmen zum kräftigen Ganzen, kehrten mit allen Schauern banger Erinnerungen in meine Seele zurück. Es iſt ein ſeltſames Gefühl, ſich ſelbſt ſprechen zu hören durch fremde Organe, man wird überraſcht von dem eigenen Gedanken, und ſtaunend über die Wirkungen einer Kraft, deren Urheber wir ſelbſt ſind.— In düſteres Träumen verſenkt, bemerkte ich kaum die Zeichen des Bei⸗ falls, die mir von Zeit zu Zeit von dem Fürſten ertheilt wurden. Da rief mich auf einmal ein Klang in die Höhe, daß ich wonnebebend zuſam⸗ menfuhr!— Unwillkührlich ſuchte mein Auge den Himmel, vermeinend, einen Boten des Lichtes zu begegnen; aber es war nur der Laut einer Men⸗ ſchenbruſt, der als Engel verheißend hernieder ſtieg. Ruhig und klar ſtand die gottgeſegnete Jungfrau da, deren Lippen die ſchwellenden Töne, gleich Glo⸗ ckenklänge, entglitten. Selige Freude ſtrahlte aus ihren Augen hernieder, als wollte ſie ſagen: ich bin der Herold, der das ewige Heil Dir verkündet! Da, o mein Freund, war es, wo die tief ver⸗ ſchloſſene Bruſt noch einmal aufging dem höchſten Entzücken, wo ich im abergläubiſchen Wahne des
Himmels Verheißung in jenen Tönen zu vernehmen


