ner zweijährigen Trennung kaum zu durchdenken vermochten, hatten doch Kraft genug, das verein⸗ zelte Daſein einen zehnfach verlängerten Zeitraum bindurch zu tragen, und hätten es noch weiter tra⸗ gen können,— o ja, noch weiter! Und das alles ohne ein beſonderes Zeichen ſehnſüchtigen Verlan⸗ gens, oder peinlicher Ungeduld!— O über die
einwiegende, alles beruhigende, endlich abſtumpfen⸗
de Gewalt der Zeit!— Ich habe ihrer Macht oft geſpottet, als ich ein eitler Jüngling war, und mich hoch vermeſſen, als könnte mein raſender Ueber⸗ muth ihren Geſetzen Trotz bieten, als dürfe ſich mein Nacken unter ihrem Joche nicht beugen!— Aber nur zu ſchnell hat ſich ihre fürchterliche Ge⸗ walt an dem Frevler gerächt! Früher als die Na⸗ tur es verlangen darf, welkten meine Lenze, un⸗ barmherzig warf die Verhöhnte eine Blüte meines Lebens nach der andern hinab, und berief das ver⸗
welkende Herz mit grauſamer Eile zu der Erndte
bitterer Erfahrungen, die jeden Reſt der Jugend verzehrten und mich im zwei und vierzigſten Jahr zu einem ſtillen, vorſichtigen ſehr ruhigen Greiſt umgewandelt haben.— Sehr ruhig!— Mir ſchau ert vor dieſem Federſtrich, der mit ſo leichter Mü he den Zuſtand eines Weſens darſtellt, an den zwanzig lange Jahre ſo mühſam meiſſeln und ar beiten mußten!—


