Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchn (1846)
Entstehung
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228 4.

Hundert gegen Eins dürfte man wetten, daß Hen⸗ riette Maſſon, an einen Kollegen ihres Vaters verheiratet, den Stolz der ganzen Kanzliſtenwelt ausgemacht hätte. Dorthin hätte ſie gehört. Sie hätte ihren Weg unge⸗ hindert und ohne zu ſtraucheln verfolgt, weil es auf der geebneten Straße beſcheidenen Wohlſtandes keinen

Stein des Anſtoßes gibt.

Alber es brauchte Kopf und Herz, viel Kopf und viel Herz, um beim Sprunge vom gewichsten Boden ei⸗ nes ärmlichen Zimmers auf die dichten Teppiche eines herzoglichen Hotels nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Henriette war von dieſem neuen Glanze ein wenig betäubt, aber Anfangs war die Liebe ihr Stützpunkt und ihre Aegide. Sie liebte ihren Gatten leidenſchaftlich, und auch der Herzog zeigte ſich ſeinerſeits ganz närriſch für ſie eingenommen. Es war in der That ein aller⸗ liebſter Haushalt.

Der Herzog war ein Mann ohne Grundſätze, von kaltem Herzen, deſſen Philoſophie hienieden nur Wohl⸗ leben oder Vergnügen ſah. Die Herzogin ging nicht ſo weit, weil ſie keine vollendete Theorie beſaß, ihre be⸗ ſchränkte Erziehung hatte hierin etwas Finſterniß in ih⸗ rem Geiſt zurückgelaſſen. Man kann ſich denken, daß ein ſolchergeſtalt ausgeſtattetes Paar tauſend Keime der Zwietracht in ſich trug, wie ſehr ſie auch in den erſten Zeiten ihrer Ehe Geſchmack an einander fanden.

Und dann ſind ohne Zweifel ſolche Dinge ſchwierig,

zu berühren, aber es iſt Pflicht eines Schriftſtellers, ſeine Gedanken auszuſprechen und das Böſe überall was ſich vorfindet, zu brandmarken; und dann, ſagten wir, iſt es ein bürgerliches Verbrechen, das ſchon ſeit Jahr⸗ hunderten zur Gewohnheit geworden, ein Verbrechen, das in unſern Sitten liegt und keinen Namen hat, das ſo gang und gäbe iſt, daß Viele ſtaunen würden, es als Verbrechen betiteln zu hören.*

Es wird begangen, es wird eingeſtanden. Die hei⸗ lige Schrift hält die Worte Gottes in ſich, welche die⸗