Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1846)
Entstehung
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N

227 Alle die hämiſchen, böswilligen Neckereien und Spötte⸗ leien, worin die Eiferſucht und der Neid des Weibes, Griſette oder nicht ſo erfinderiſch ſind, ſtuͤrmten auf die arme Sancta ein.

Geh'n wir heut Abend zu den Seiltänzern, Mam⸗ ſell Sancta? fragte Zulema.

Wohin denkſt Du, Zulema, fiel Mamſell Modeſta ein.So was iſt nur gut für uns Andere. 3 BalMit oder ohne den kleinen Brünetten? fragte elia.

Der es ſo ehrlich meint! fiel Emmelie ein.Ich habe fünf oder ſechs ſolche gehabt, fügte ſie leiſe hinzu.

Laden Sie uns zur Hochzeit ein, Mamſell Sancta? fragte Modeſta höchſt ernſthaft.

Sancta ſah endlich auf und ſtrich ihre langen, blonden Locken zurück; ihr thränenfeuchtes Auge ſtralte von himmliſcher Unſchuld. 3 Es iſt mein Bruder, ſagte ſie, ruhig um ſich blickend.

Dacht' ich's doch! ſiel Zulema ein.

Ich betheure Ihnen, es iſt mein Bruder, wieder⸗ holte ſie mit bewegter Stimme.

Man weiß, was das heißt, ſagte Emmelie.

Sancta erhob ſich von ihrem Sitze. Die friſchen Farben ihrer Wangen waren verſchwunden. Aus ihrem Auge, eben noch ſo ſanft und ſchuͤchtern, funkelte der unbeugſame Stolz ihres Geſchlechts. Sie blickte Mig⸗ nonne verächtlich an, die ſich umſonſt bemühte, ſie zu tröſten, und ging langſam ſchweigend auf die Thüre zu.

Nachdem die Läſterzungen der Mädchen einen Au⸗ genblick verſtummt, fingen ſie gleich von Neuem an, als die Thüre ſich hinter Sancta geſchloſſen hatte.

Die dumme Ziererei, die! rief Emmelie, vor⸗ nehm die Naſe rümpfend.

Ich muß mir für allemal verbitten, rief die wohlbeſtellte Schäferin dieſer undisciplinirten Heerde, daß ſolche Auftritte ſich in meinem Hauſe und unter