Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

letzten Krachmandel griff und ſie zwiſchen ſeinen dicken Fingern zermalmte.Glauben Sie denn, die Durch⸗ laucht wird auf Ihre Worte ſo viel halten, als auf Ihre Mixturen? Beweiſe, lieber Doctor, Beweiſe, oder Sie blamiren ſich eben ſo gründlich, wie der Hofmar⸗ ſchall Hammel.

Nicht zu vergeſſen, daß unſere gnädigſte Fürſtin auf keinen Fall mit in die Tragödie verwickelt werden darf! fügte der Kammerherr mit Protectormiene bei.

Aurelie warf einen bedeutſamen Blick auf den Stiftscanonicus, welcher, nachläſſig und mit verſchlun⸗ genen Beinen in den Stuhl zurückgelehnt, ein Kelchglas ſchäumenden Weines zwiſchen ſich und das Licht hielt, als ſei er eifrigſt bemüht, die aufſteigenden Perlen zu zählen. Als er den Wink nicht verſtehen wollte, fiel das Händchen der Kammerfrau mit mehr Unwillen als Grazie auf den Tiſch, daß der Hofmedicus erſchreckt zuſammenfuhr, und aus ihren Augen ſchoſſen ein Paar zornige Pfeile. Mit mehr Aufwand an Stimme, als juſt nöthig war, rief ſie dem geiſtlichen Würdenträger über den Tiſch zu:So reden Sie doch, Tobi, in Gottes Namen! Finden Ihre Gedanken gar keine Anknüpfungs punkte in dem, was Sie hören?

Der Canonicus ſtellte lächelnd das Glas beiſeite.

Wir wiſſen bereits, daß er die ſchöne Aurelie im Zorne 19