266
daß ſie bei einander ſein könnten, und zugleich ins Herz einer Braut einzögen! Sie ſtörten mich auch recht im Beten. Doch warſt du nun wohlbehalten in der Welt und ich mußte darum auch hinaus. So entfernt ich dich auch wußte, kam ich mir doch mehr in Verbindung mit dir vor. Mein erſter Gang war nach deinem Hauſe: ich wollte mir das Fenſter denken, aus welchem ich einſt zum erſtenmal mit dir herausſehen würde. Aber ich vergaß dieſer Abſicht ganz, als ich zu meinem Schreck auf einer angelehnten Leiter einen Maurergeſellen mit Meißel und Schlägel beſchäftigt ſah, dein Wappen über dem Thor abzuſchlagen. Zuerſt dachte ich, es ge⸗ ſchähe auf deinen Befehl, vielleicht— daß ich nicht vor deiner Herkunft erſchrecken ſollte, wenn du mich einmal ins Haus führteſt, oder aus irgend einem andern Grunde. Bald aber hörte ich, die Wappenbilder an allen adeligen Häuſern würden auf Befehl der Munieipalität abgehauen, und mein lieber Herr Profeſſor Blau erzählte mir, auch der Kurhut auf der Säulenſpitze am Neubrunnen habe in eine Freiheitsmütze umgemeißelt werden ſollen, der Bild⸗ hauer Pfaff aber habe gerathen, lieber eine ſolche Mütze von Blech machen zu laſſen und darüber zu ſtülpen: das ſei leichter zu machen, und habe noch den Vortheil, daß man nach Umſtänden die Blechkappe gleich wieder könnte abnehmen, und den Kurhut ohne Schaden zum Vorſchein kommen laſſen. Der gute Blau lächelte recht herzlich da⸗ bei, und meinte, an dem Bildhauer ſei ein Diplomat ver⸗ dorben, und man ſollte ihn Preußen empfehlen, wenn es vielleicht einen Separatfrieden machen wollte. Das ver⸗ ſtand ich nicht recht; aber in Einem gab ich ihm Unrecht,
———
——+——/
—
2


