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Flucht. Nun ja, meine Frau hat ein wenig Angſt, beſon⸗ ders vor einer langen Belagerung, die ſo unfrei und un⸗
ſicher macht. Sie meint, dieſe Jakobiner, die uns die
Freiheit bringen wollen, könnten uns erſt recht hart ein⸗ ſchließen, um uns nach Freiheit hungeriger zu machen, als wir vielleicht ſind. Es war aber ſchon früher unſere Ab⸗
ſicht nach Frankfurt zu ziehen, und ich ſtehe ſchon ſeit
Wochen in Unterhandlung wegen eines ehrenvollen Rufes. Sollte nun Mainz gar in franzöſiſche Hände fallen,— was würde aus der Univerſität werden? Dieſe Gallier wollen keine Univerſität, ſondern Univerſalherrſchaft; es gilt ihnen um Freiheit durch die Waffen, die wir durch die Wiſſenſchaft erobern müſſen. Du weißt, George,— der Säbel iſt mein Inſtrument nicht: die Sonde iſt es, mit der ich in die Tiefen der Natur und der Wahr⸗ heit ſteige.
Du haſt Recht, mein Freund! rief Forſter. Und wie du mich kennſt, weiſt du wohl, daß ich auch keinen gräm⸗ lichen Gedanken, deiner abweichenden Richtung halber, ge⸗ gen dich im Herzen trage. Nein, folge du dem Zuge deines Geiſtes! Auch fliehſt du ja nicht: die Natur iſt die Republik, in der du als großer Forſcher mitherrſcheſt, und wohin du dich wendeſt, bleibſt du in deinem Frei⸗ ſtaat. Dabei biſt du ein reicher und glücklicher Menſch, — an der Tafel deiner Gefühle und deiner Gedanken von den Liebſten und Treueſten umſeſſen. Anders ich, lieber Thomas. Arm bin ich gerade nicht,— nicht gerade bet⸗ telarm. Du kennſt mich von lange her. Ich hatte ein Herz voll Liebe und ſeliger Gedanken für einige Wenige, deren Glück und Zukunft meine Sorge, wie meine
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