Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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mit den Worten begleitend. Ein ausgezeichneter Bariton von ſüßeſter Fülle und ſeltenem Umfang gab ſich kund, und das Geſicht leuchtete von jugendlicher Schwärmerei. Auch ließ ihm das aufgeregte Herz die Ruhe des Zim⸗ mers nicht länger; es war, als ob Alles, was er hier am Ziel der Reiſe vorhatte, ihm in die Glieder gefahren ſei. Er öffnete den Koffer, und nahm einen Ueberrock heraus, um noch in der Dämmerung durch ein paar Gaſſen zu ſchlendern; wie ihn denn das eigenthümliche Leben und Treiben einer Stadt ohnehin lebhaft anzu⸗ ziehen pflegte.

Unten an der Treppe ſtieß er abermal auf den Wirth, der in ſeinem Hauſe wie allgegenwärtig war.

Sie wollen noch ausgehen, Herr Doctor? ſagte er. Dürfte ich Sie auf ein Woͤrtchen 2

Er führte Hermann durch das Gaſtzimmer in ein Hinterſtübchen, rückte ihm einen Stuhl, und ſetzte ſich vertraulich zu ihm, indem er ſagte: Mit Ihren Sachen habe ich ein Schreiben des Herrn Pfarrers, Ihres Va⸗ ters, erhalten, worin er mich erſucht, Ihnen mit Rath und That an die Hand zu gehen. Ein nach Halle ver⸗ ſetzter hieſiger Beamter habe mich ihm empfohlen, und da wolle er mir denn in gutem Vertrauen etwas von ſeinen väterlichen Rechten übertragen haben. So müſſen Sie es nehmen, geehrter Herr Doctor, wenn ich einmal über den Gaſtwirth hinausgehe und Ihnen mit einem Rath oder Wink läſtig falle Sie werden in unſerm deutſch⸗ und franzöſiſchgemiſchten Caſſel auf mancherlei ſtoßen, was für einen jungen, gebildeten Mann gar an⸗ ziehend iſt. Aber nur vorſichtig, und wonach