Ich weiß Alles, Herr Graf, es iſt mir nichts ver⸗ borgen.“
„O du mein Gott, was werde ich nun anfan⸗ gen!“ ſprach Herr von Dikſen.
„Es hat ſich in Ihrer Lage nichts verändert, mithin müſſen auch Ihre Projecte dieſelben bleiben. Sie wollten ſich vor zwei Tagen umbringen.“
„Ja, aber ſeit zwei Tagen habe ich gehofft... Ach! Sie werden mich nicht ſo ſterben laſſen,“ ſprach der Graf, die Augen zum Arzte emporſchlagend,„da Sie mich retten können; nur zwei Stunden lang ſoll ſie wieder leben; mehr verlange ich nicht von Ihnen,“ ſetzte Herr von Dickſen mit einer Niedertracht hinzu, die glauben läßt, daß Andere auch niederträchtig ſein können. 5
Doctor Servans begriff, wie unnütz es ſei, mit einem ſolchen Menſchen noch von Ehre zu ſprechen; er begnügte ſich alſo, die Achſeln zu zucken und zum Grafen zu ſagen:
„Nehmen Sie ſich das Leben, mein Herr, Sie können wahrlich nichts Beſſeres, nichts Geſcheideres thun; denn wenn Sie meiner geſpottet, ſo habe ich meinerſeits Sie zum Beſten gehabt.“
„Was wollen Sie damit ſagen?“
„Ich will damit ſo viel ſagen, daß ich etwas muthmaßte, daß ich meiner Sache aber nicht ganz gewiß war und mich ſelbſt überzeugen wollte. Ich will damit ſagen, mein Herr, daß ich drei Todte ge⸗ ſehen, und daß neben jedem ein großer, ein herber Schmerz— ein Geliebter, ein Sohn, ein Gatte— wachte. Von dieſen dreien hat nur einer das Weſen
g9„.——


