Thränen bedeckend.„Verzeihen Sie mir, Herr Doctor,“ fuhr ſie fort,„daß ich Sie umſonſt bemüht.“
„Ihr habt nur dieſe Stube?“ fragte der Mann der Kunſt.
„Nur dieſe.“
„Und es iſt im Hauſe kein anderes Zimmer frei?“
„Doch, doch.“.
„Warum habt Ihr alſo nicht ein anderes Zim⸗ mer für dieſes Kind verlangt? Beſſere Luft hätte gewiß nicht geſchadet.“
„Ach, Herr Doctor, ich habe das wohl gethan; aber es hat die Hausbeſitzerin— eine alte Jungfer, die nie Kinder gehabt— mir zur Antwort gegeben: Es koſtet zwanzig Thaler per Monat, und da ich dieſe nicht hatte, ſo iſt mir nichts übrig geblieben, als mein armes Kind hier ſterben zu laſſen.“
„Aber es iſt Eure Tochter ja noch nicht todt, gute Frau.“
„Oh!“ antwortete die Alte, aufſtehend und nun ihrerſeits den Kopf ſchüttelnd;„oh!l ich weiß wohl, was dieſe Unbeweglichkeit zu bedeuten hat. So ſind mir die beiden andern geſtorben, ſehen Sie; zuerſt haben ſie einen Huſten bekommen, dann ſind die Wangen mager und die Augen hohl geworden, wor⸗ auf Heiſerkeit, Blutſpeien, Froſt, Fieber folgte, bis ſie ſich endlich legten und zu einem andern beſſern Leben hinüberſchlummerten. Sehen Sie, zu all dem braucht es höchſtens ein Jahr.“
„Vor drei Jahren bin ich mit drei Töchtern hier eingezogen, und dieſe hier iſt die letzte.“
Und die arme Frau, bei der die Quelle der Thrä⸗ nen verſiegt zu ſein ſchien, ſetzte ſich auf das untere


