als habe er erſt mit dem Tage zu leben angefangen, an dem er die Schwelle dieſes Hauſes zum erſten Mal überſchritten. Schon als kleines Kind elternlos, ohne alles Vermögen und ohne irgend einen phyſi⸗ ſchen Erſatz für dieſe vollſtändige Vereinzelung, hatte er ſchon früh, wenn auch nicht ſich verachten, ſo doch ſich lediglich nichts zutrauen gelernt, ſo daß er ſo ſchüchtern wie ein Pudel geworden war.
Was ihn ſein ganzes Leben hindurch gewaltig plagte, war, daß ſeine Familie ihm hatte keine ſorg⸗ fältige Erziehung angedeihen laſſen können; und als ſich ihm die Gelegenheit darbot, bei dem ſchon früh für einen gelehrten Menſchen geltenden Doctor Ser⸗ vans ſich zu placiren, nahm er ſich ernſtlich vor, alle freien Augenblicke zu ſeiner Ausbildung zu nützen. Für bevorzugte Naturen ſind das Studium und die Religion die natürlichen Ableiter allen Kummers; nun aber beſaß Ivarius ein Herz und Inſtincte, die ihn nicht lange vergebens ſuchen ließen. Als der arme Burſche, von ſeinen erſten Illuſionen befreit, eine Stütze geſucht und nichts gefunden hatte, da hatte große Träumerei ſeiner Seele ſich bemächtigt — eine Träumerei, die ſich durch Thränen und Seufzer kund gab. Gleichwohl ſchien es ihm, als hätten noch ſtärkere und gelehrtere Männer gleich ihm gelitten, und als hätten dieſelben ihre Leiden niederſchreiben müſſen, um Andern nützliche Lehren an die Hand zu geben. Es däuchte ihm, daß er in den Büchern, von denen er ſchon ſo viel hatte reden hören, den Troſt finden würde, wornach er ſich ſehnte; und als er daher einmal im Hauſe des Arztes war, hatte er keine Ruhe, bis die herrliche Bibliothek, die er jeden


