miſchte ſich daher auch bei den Meiſten, die den Arzt kannten, ein Gefühl des Aberglaubens, ja ſo⸗ gar der Furcht. Wollen wir auch ganz davon ab⸗ ſehen, daß das deutſche Volk einen natürlichen Hang hat, an alles Phantaſtiſche zu glauben, ſo kann man doch tagtäglich ſehen, wie Leute, welche große Welt⸗ erfahrung beſitzen, ſei es daß ſie viel ſtudirt oder viel gelitten, für den großen Haufen immer einiger⸗ maßen etwas Unbegreifliches haben; denn eben die⸗ ſer große Haufen glaubt unendlich lieber an eine übernatürliche Gabe als an einen Kampf und an einen Willen. So ſucht er nie aus ſeiner engen Sphäre hinauszukommen, und ſo entſchuldigt er mit der Idee einer direkten Einwirkung des Himmels, wodurch alle geiſtig höher ſtehenden Menſchen zu dem geworden ſein ſollen, was ſie ſind, ſeine Un⸗ wiſſenheit und ſeine Inferiorität.
Es waren alſo in unſerem Städtchen Leute, die, wenn ſie dem Arzte begegneten, ihn wenigſtens eben⸗ ſo ſehr aus Aberglauben als aus Achtung grüßten. Konnte ja doch dieſer Mann, von dem man ſich ſo viele Wunderdinge erzählte, der dem Tode ſchon ſo viele menſchliche Weſen aus dem Rachen geriſſen, der ſo viele ſeltſame Metamorphoſen bewirkt, der aus faulen, liederlichen, gottloſen Sündern fleißige, ſpar⸗ ſame, chriſtlich geſinnte Bürger gemacht— konnte ja doch, ſagen wir, dieſer Mann, der aus Nächſten⸗ liebe des Guten ſo viel that, auch Böſes zufügen, wenn er einmal haßte; und mit einem ſolchen Manne mußte man begreiflicher Weiſe auf gutem Fuße ſtehen.
Was den Arzt betrifft, ſo kannte er dieſe An⸗


